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Hölsteiner Brunnengeschichte
In der Gemeinde Hölstein markierte das Jahr 1894 den historischen Wendepunkt von der Nutzung öffentlicher Brunnen hin zur modernen Wasserinfrastruktur. Die Gemeinde Hölstein erstellte genau zu dieser Zeit eine moderne Wasserversorgung mit privaten Hausanschlüssen. Im Jahr 1894 befand sich das Dorf somit mitten in der Planungs- und Übergangsphase. Aus diesem Jahr stammt auch das erste bekannte Wasserreglement der Gemeinde, welches die Nutzung der Trinkwasserversorgung regelte.
Bis das Wasserleitungsnetz flächendeckend verlegt war, erfüllten die öffentlichen Brunnen im Ort ihre traditionellen, lebenswichtigen Aufgaben. Als Gemeinde im Waldenburgertal war Hölstein stark von der Landwirtschaft geprägt. Da die Haushalte im historischen Dorfkern, nahe der Zehntenscheune und dem Gasthaus Rössli, noch kein fliessendes Wasser im Haus hatten, holten die Einwohner ihr tägliches Trink-, Koch- und Brauchwasser eimerweise an den zentralen Brunnenanlagen. Die grossen Brunnentröge waren überlebenswichtig, um das Vieh (Kühe und Arbeitspferde) mitten im Dorf zu tränken, besonders wenn der Dorfbach, die Frenke, im Sommer Niedrigwasser führte. Die Nebentröge der Brunnen wurden intensiv von den Frauen zum Kleiderwaschen genutzt. Auch die lokalen Handwerker wie Schmiede oder Wagner reinigten dort ihre Werkzeuge. Oft waren die Brunnen aufgeteilt in Haupttrog (zum Frischwasserspülen oder Tränken) und das tiefere Nebenbecken (den Sudeltrog), an dem die Wäsche gewaschen wurde. Bei Bränden im Dorf – wo viele Häuser noch aus Holz bestanden – bildeten die Brunnentröge die einzige sofort verfügbare Barriere und Wasserquelle für die Eimerketten der Feuerwehr. Vor dem Einzug von Telefonen waren die Brunnen die primäre „Nachrichtenbörse“ für den Austausch von Dorfneuigkeiten.
Im Wasserreglement aus dem Jahr 1894 sind der «Obere und der Untere, sowie die beiden Mittleren und der neu erstellte Winkel» als Dorfbrunnen erwähnt. Die Dorfbrunnen wurden damals und bis heute grösstenteils aus dem lokalen Grundwasser gespiesen.
Durch den flächendeckenden Bau von Gemeindewasserreservoirs und privaten Hausanschlüssen wie ab 1893 in Hölstein verloren Brunnen schlagartig ihre Funktion als primäre Trink- und Brauchwasserquelle. Das Waschen von Wäsche verschwand komplett. Stattdessen begannen Gemeinden, die Brunnenstöcke mit Blumen (oft Geranien) zu schmücken, um das Ortsbild aufzuwerten.
Brunnen «Winkel» Gassenbachweg-Bündtenweg
In den 1970er und 1980er Jahren setzte ein Umdenken ein. Viele alte Brunnen im Kanton wurden inventarisiert und unter kantonalen Denkmalschutz gestellt. In der Gemeinde Hölstein ist dies der «Krattiger-Brunnen» an der Hauptstrasse. Dieser Brunnen ist im Wasserreglement aus dem Jahr 1894 mit der «Obere» Brunnen bezeichnet. Nicht inventarisiert wurde unter Anderem der Brunnen «Winkel» an der Abzweigung Gassenbachweg-Bündtenweg. Dieser bereits 1894 erwähnte historische Brunnen wurde wegen grossem Sanierungsbedarf 1980 durch einen gespendeten Betonbrunnen ersetzt. Der Betonbrunnen wurde während fast 46 Jahren als kostenlose Rast- und Erfrischungsstationen für Wanderer und Velofahrer und auch für Tiere genutzt. Die eine oder andere Nachbarschaft zum Brunnen hat ihre Giesskannen mit Wasser gefüllt, Kinder haben gebadet, der Brunnen diente damit auch als sozialer Treffpunkt.
Durch den Klimawandel und sinkende Grundwasserspiegel müssen Gemeinden heute auf die Trockenheit reagieren. Bereits seit mehreren Jahren werden die Brunnen in Hölstein während Hitzeperioden abgestellt, um wertvolles Trinkwasser zu sparen. Der in die Jahre gekommene Betonbrunnen an der Abzweigung Gassenbachweg-Bündtenweg war nach fast 50 Jahren Nutzung stark reparaturbedürftig. Eine Sanierung hätte den Brunnenwert überstiegen. Aus Wasserspargründen hat man sich deshalb gegen den Ersatz des Brunnens entschieden. Der Brunnen wurde entfernt und die Wasserzuleitung geschlossen. Der alte Brunnenstandort wurde mit einer Linde bepflanzt und in Zukunft soll eine Sitzbank den öffentlichen Platz ergänzen. Ein Platz, an dem sich Senioren zum Schwatz treffen, Wanderer eine Rast einlegen und Jugendliche Zeit verbringen können – einziger Wermutstropfen – das Wasser muss in Trinkflaschen selber mitgebracht werden.