17.05.2026
Persönliche Darstellung, persönliche Meinung zum Thema «keine Bodycams für die Stadtpolizei »
Persönliche Ansicht in Bezug auf Bodycams bei der Stadtpolizei St.Gallen
Der Stadtrat verweist auf offene Fragen, fehlende gesetzliche Grundlagen und unklare Erfahrungen. Diese Punkte sind ernst zu nehmen – sie dürfen jedoch nicht zur Dauerbegründung für Untätigkeit werden. Andere Kantone und Organisationen sammeln längst praktische Erfahrungen: Zürich testet Bodycams wissenschaftlich begleitet, Waadt und Wallis führen sie ein, und die Transportpolizei zieht bereits eine positive Bilanz. Es besteht somit genügend Vergleichsmaterial, um nicht endlos auf weitere Erfahrungswerte zu warten. Ebenso bin ich der Ansicht, dass unsere Einsatzkräfte an der Front hier mitreden sollten und wir ihre Bedürfnisse ernst nehmen müssen. Gemeinsam könnten wir so die nächsten Schritte planen.
Natürlich kosten Bodycams Geld. Sicherheit kostet Geld – das war schon immer so. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Bodycams etwas kosten, sondern ob ihr Nutzen den Aufwand rechtfertigt. Vieles spricht dafür: Bodycams können deeskalierend wirken, Einsatzkräfte vor ungerechtfertigten Vorwürfen schützen, objektive Beweise liefern und gleichzeitig auch die Bevölkerung schützen, weil polizeiliches Handeln transparenter und nachvollziehbarer wird.
Selbstverständlich sind Bodycams kein Allerheilmittel. Sie ersetzen weder Ausbildung noch Deeskalation oder professionelles Auftreten. Sie sind ein zeitgemässes Einsatzmittel – ein Hilfsmittel, das in einem modernen Sicherheitsdispositiv geprüft und bei nachgewiesenem Nutzen auch eingesetzt werden sollte.
Ganz ehrlich: Ich verstehe nicht, weshalb wir bei diesem Thema wieder jahrelang zuwarten sollen. Ich bin überzeugt, dass ein grosser Teil der Bevölkerung diesen Zeithorizont ebenso wenig versteht. Sieben Jahre für die Beantwortung eines Postulats sind doch eine sehr lange Zeitspanne.
Aus meinem persönlichen Netzwerk höre ich überwiegend positive Rückmeldungen. Dabei handelt es sich um Angehörige verschiedener Blaulichtorganisationen, die bereits praktische Erfahrungen mit Bodycams gemacht haben oder deren Einsatz befürworten. Wer täglich an der Front steht, beurteilt den Nutzen solcher Mittel oft realistischer als jene, die nur theoretisch darüber diskutieren und sich Bilder oder Videos zuhause auf dem kuscheligen Sofa ansehen – kontextlos und aus zusammengeschnittenen Szenen.
Als Angehöriger der Berufsfeuerwehr werde ich bei Einsätzen im öffentlichen Raum regelmässig gefilmt und fotografiert – ebenso wie unsere Polizeikräfte. Ob mit oder ohne Bodycam: Gefilmt wird heute ohnehin permanent. Weltweit werden täglich Milliarden Videodateien hochgeladen. Wer glaubt, Bodycams würden plötzlich eine neue Überwachungskultur schaffen, verkennt die Realität im öffentlichen Raum.
Mein Fazit ist deshalb klar: In der Stadt St.Gallen sollen Bodycams getestet werden. Zusätzlich müssen die Erkenntnisse aus Zürich und anderen Korps seriös ausgewertet werden. Danach braucht es innert nützlicher Frist einen Entscheid. Falls sich der Nutzen bestätigt, sollen gezielt und schrittweise Bodycams beschafft beziehungsweise eingesetzt werden.
Wollen wir nicht unseren Einsatzkräften die Entscheidung überlassen, wann und wo sie die Cams einschalten möchten, um Situationen festzuhalten? Ich bin absolut überzeugt, dass sie äusserst professionell arbeiten und durchaus in der Lage sind, solche Entscheidungen zu treffen.
Link zu meinem Votum an der Parlamentsdebatte vom 5.Mai 2026
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