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Ausstellung von Marisa Cornejo: „El Taller de la Fragilidad“

Halle Nord, Place de l'Ile 1, 1204 Genf
Anlässlich ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in Genf präsentiert Marisa Cornejo eine Reihe von Werken, die sich mit verschiedenen Erfahrungen im Zusammenhang mit Exil und Vertreibung auseinandersetzen.
Was bedeutet es, in ein Land zurückzukehren, das ohne einen weitergelebt hat? Diese Frage zieht sich seit mehreren Jahrzehnten wie ein roter Faden durch das Werk der bildenden Künstlerin und Autorin Marisa Cornejo. Geboren in Chile während der „Unidad Popular“ (vom 4. September 1970 bis zum 11. September 1973) und unter der Militärdiktatur mit ihrer Familie ins Exil gezwungen, versucht die Künstlerin nicht, ein verlorenes Territorium wiederzufinden. Vielmehr hinterfragt ihr Werk die Formen einer unterbrochenen Zugehörigkeit, in der sich Erinnerung aus (realen oder imaginären) Fragmenten zusammensetzt, zu denen der Zugang lange Zeit verwehrt war.

In „Reflections on Exile“ (1984) beschreibt Edward Said, der sich sein ganzes Leben lang mit den politischen und existenziellen Auswirkungen des Exils auseinandergesetzt hat, die Fähigkeit von Exilanten, die Welt durch ein „kontrapunktisches“ Bewusstsein zu begreifen, in dem mehrere Zeitlichkeiten und Geografien nebeneinander bestehen, ohne jemals zu einer einzigen Erzählung zu verschmelzen. Die Fotografien von Marisa Cornejo scheinen diesen Raum zu bewohnen. Indem die Künstlerin als Erwachsene Orte in Chile wiederbesucht, die ihr als Kind vorenthalten waren, inszeniert sie keine Rückkehr; vielmehr dokumentiert sie die Kluft zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Bild und gelebter Erfahrung. Diese Spannung findet eine besondere Verkörperung in „Los Tótems de mi Ausencia“ (Die Totems meiner Abwesenheit), etwa zehn Gipsformen, die den Boden der Halle Nord zieren. Teilweise mit Postkarten aus Chile bedeckt, verleihen diese Skulpturen einer Erinnerung Gestalt, die lange Zeit auf die Oberfläche von Bildern reduziert war. Entstanden sind sie auf der Grundlage von Fotografien, die die Künstlerin auf ihren jüngsten Reisen nach Chile aufgenommen hat; diese Bilder lassen symbolträchtige Orte wiederaufleben, deren Landschaften ebenso sehr von Identitätserzählungen wie von der touristischen Vorstellungswelt geprägt wurden. Sie sind zudem von den Postkarten inspiriert, die ihre Grosseltern der Künstlerin während ihrer Kindheit im Exil schickten – eingefrorene Zeugnisse eines Landes, zu dem sie keinen Zugang hatte. Die Künstlerin beschreibt diese Stelen als Versuche, „die Verflachung zu heilen, die die moderne Chronologie unserer Geschichte auferlegt hat“, indem sie den Erinnerungen Volumen verleiht, damit sie den Raum einnehmen.

Die Ausstellung findet auch ein Echo in den Analysen von Nelly Richard. In *Crítica de la Memoria (1990–2010)*, 2010, (Kritik des Gedächtnisses (1990–2010), (2010), zeigt die französisch-chilenische Theoretikerin, dass der Übergang zur Demokratie die durch die chilenische Diktatur verursachten Brüche zwar nicht beseitigt, sie jedoch oft mit einer konsensorientierten Erzählung überdeckt hat. Angesichts dieser Abschwächung der Erinnerungsweitergabe habe die Kunst die Fähigkeit, die Kontinuitäten zwischen Vergangenheit und Gegenwart sichtbar zu machen, wie es das literarische und bildende Schaffen von Marisa Cornejo verdeutlicht. Tatsächlich lässt die Künstlerin – sei es in ihren Texten, Zeichnungen oder Skulpturen – erkennen, manchmal auch nur angedeutet, wie diese Vergangenheit Landschaften, Objekte und Körper weiterhin prägt.

Eine Auswahl an Zeichnungen und Traumgemälden der Künstlerin, die sich teilweise mit dem Thema „Mutter“ befassen, wird ebenfalls in der Halle Nord präsentiert. Seit 1997 – dem Jahr, in dem Marisa Cornejo ihre letzte Ausstellung im Kollektiv La Panadería in Mexiko-Stadt hatte – hält die Künstlerin ihre traumhaften Visionen täglich in Form von Zeichnungen fest. Diese verlagern diese Archäologie der Erinnerung auf den Körper. In „La Madre que me Enseña a Respirar“ (Die Mutter, die mich das Atmen lehrt) ordnet sich die Erinnerung nicht mehr nach einer Chronologie der Ereignisse, sondern nach einer Logik der Empfindung und des Atems. Das Atmen wird zu einem regelrechten kritischen Vorgang, der darauf abzielt, die durch das Trauma hervorgerufene Verflachung aufzuheben, um dem Körper seine Fähigkeit zurückzugeben, den Raum zu bewohnen. Die Träume schaffen so eine nichtlineare Zeitlichkeit, in der individuelles Gedächtnis und kollektives Erbe ohne Hierarchie nebeneinander bestehen. Letztendlich scheinen die Zeichnungen von Marisa Cornejo, ebenso wie alle in „El Taller de la Fragilidad“ präsentierten Werke, eine sehr intime Übersetzung des Exilbewusstseins anzubieten: einen Raum, in dem heterogene Realitäten nicht mehr danach streben, sich aufzulösen, sondern gemeinsam zu atmen.


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